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Impressum

Einleitung

 

Der Mensch unterscheidet sich von allen Lebewesen der Erde vor allem dadurch, dass er einen 18 Jahre lang dauernden, intensiven geistigen, emotionalen und körperlichen Reifeprozess durchlĂ€uft. WĂ€hrend dieser Zeit bleibt das Kind auf einen bestĂ€ndigen Ă€ußeren Zuspruch und auf eine UnterstĂŒtzung durch eine soziale Familien- und Gemeinschaftsorganisation angewiesen. Diese im Vergleich zu allen Tieren aufwĂ€ndige soziale Selbstorganisation, ermöglicht dem Menschen im Unterschied zu allen Tieren und Pflanzen eine besonders kreative, individuelle und freiheitliche Lebensgestaltung.

Vor ca. 5000 Jahren hat der Mensch innerhalb der neolithischen Revolution damit begonnen, Menschen in einer regelrechten Weise zu versklaven. DarĂŒber hat der Mensch eine widernatĂŒrliche und asoziale Herren-Diener-Sklaven-Standeskultur in die Entwicklung gebracht, die bis heute die individuelle Selbstorganisation und die Gesellschaftsorganisation des Menschen in einer erheblichen Weise verzerrt.


InhaltsĂŒbersicht


Einleitung

Kapitel 1

Die Entstehung der Sklaverei und

ihre Konsequenzen

 

  • Eine Kurzgeschichte der Sklaverei
  • Die wissenschaftliche Erforschung des SĂ€ugetiergehirns und die daraus resultierende Warnung vor einem krankhaften menschlichen Lustverhalten
  • Die Natur des Menschen
  • Die Folgen der Herren-Diener-Sklaven-Kulturkonstitution fĂŒr das allgemeine menschliche Verhalten

Kapitel 2

Der Fortschritt der Sklaverei innerhalb

der europÀischen Kulturgeschichte

bis heute

  • Die germanische Entwicklung
  • Die Frage der Sklaverei im Christentum
  • Die Entwicklung Europas ab 450 n. Chr.
  • Die Entwicklung des europĂ€ischen Rechts
  • Die Folgen einer dualistischen Entwicklung Europas hin zu einem religiösen und weltlichen Absolutismus
  • Die Reformation 
  • Der DreißigjĂ€hrige Krieg von 1618 bis 1648
  • Renaissance und AufklĂ€rung
  • Die Kosmogonie von Plato und Aristoteles und das Problem der idealistischen „ismus“ Bildungen
  • Die Französische Revolution 
  • Der Reichsdeputationshauptschluss
  • Die Preußischen Reformen
  • Die Industrielle Revolution 
  • Der Einfluss der Religion auf den Kapitalismus und auf die Industrielle Revolution
  • Die Revolution von 1848/49
  • Der „Fortschritt“ der „ismus“ Bildungen bis 1900 n. Chr.
  • Bismarck
  • Wilhelm II.
  • Die Weimarer Republik 
  • Hitler
  • Der amerikanische Wirtschafts- und Finanzadel und das 20. Jahrhundert

 

Kapitel 3

Die Auswirkungen der kulturellen Fehlentwicklung

auf die heutige Kultursituation

  • Die Entstehung einer industriellen Megamaschine im 19. Jahrhundert
  • Die neoliberale Neuauflage eines „liberalen“ Kapitalismus Ende des 20. Jahrhunderts
  • Die Auswirkungen der menschlichen Religionsgeschichte auf die gegenwĂ€rtige Kultursituation
  • Die psychologischen Fehlentwicklungen des Menschen innerhalb der Standeskultur
  • Schluss
  • Nachwort

Anhang

  • Quellenangaben und weiteres Hintergrundwissen zu den jeweiligen Themen

 

BuchauszĂŒge

 

Kapitel 1

 

Eine Kurzgeschichte der Sklaverei (Teilauszug)

Durch die moderne Geschichtsforschung wissen wir, dass die Geschichte der „1.Welt“ eine kulturelle Entwicklungslinie zu den ersten Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten aufweist. Die Entwicklung der ersten Hochkulturen konzentrierte sich jeweils auf die fruchtbaren Landstriche entlang des Nil, des Euphrat und der Tigris. Um ca. 3000 v. Chr. entstand dadurch in Ägypten eine erste Königsherrschaft mit einer autoritĂ€ren BĂŒrokratie. Um etwa die gleiche Zeit entstanden im Zweistromland Mesopotamien 12 autarke Stadtstaaten, die jeweils von Patriziern und Priestern beherrscht wurden.

Dieser Entwicklung war eine neolithische Revolution vorausgegangen, durch welche der Mensch zum ersten mal dazu gezwungen war, seine einfache natĂŒrliche Lebensweise als JĂ€ger und Sammler in einer aktiven Weise zu verĂ€ndern. Der fortschrittlich zunehmende Bevölkerungsdruck hatte zur Folge, dass fĂŒr den einzelnen Menschen immer weniger natĂŒrliche Ressourcen zur VerfĂŒgung standen und forderte neue Formen einer effektiveren menschlichen Selbstorganisation.

DarĂŒber entstand innerhalb der neolithischen Revolution eine erste Gartenkultur, die aufgrund der besonderen Beziehung der Frau zur Pflanzenwelt bis zur Ausbildung einer regelrechten Ackerwirtschaft matriarchal organisiert war. Daneben entwickelten sich vor allem im asiatischen Raum eigenstĂ€ndige patriarchale Nomadenkulturen mit einer regulĂ€ren Zucht von Pferden und Ziegen, die aus der traditionellen mĂ€nnlichen Jagd nach Tieren hervorgegangen war. Zudem entstand in den dafĂŒr geeigneten Lebensgebieten eine höhere Jagdkultur durch den Einsatz von effektiveren Waffen und durch eine gemeinsame Jagd auf grĂ¶ĂŸere Tiere. 1

Die Vermischung dieser neuartigen Formen der menschlichen Selbstorganisation fĂŒhrte in den sumerischen Siedlungsgebieten mit der Zeit zu einer autoritĂ€ren und patriarchalen Herrschaftskonstitution. Dabei begĂŒnstigte die fĂŒr die Nomaden selbstverstĂ€ndlich gewordene absolute Herrschaft ĂŒber die eigenen Tiere auch gegenĂŒber den Mitmenschen ein absolutistisches Herrschaftsverhalten. Dies hatte mitunter eine Versklavung von Menschen durch Menschen zur Folge, durch welche die Sklaven wie die Tiere vollstĂ€ndig entrechtet wurden. So entstanden mit der Zeit innerhalb der sich langsam aber sicher ausbildenden sumerischen Stadtstaaten absolutistische KulturstĂ€nde, die zur Konstitution einer genormten Herren-Diener-Sklaven-Standeskultur gefĂŒhrt haben.

1. Quelle: Handbuch der Weltgeschichte, Hrsg. Alexander Randa, Walter Verlag 1962, S. 79 ff

 

Kapitel 2

Die Frage der Sklaverei im Christentum (TeilauszĂŒge)

Eine wichtige Voraussetzung fĂŒr die AnpassungsfĂ€higkeit des katholischen Christentums an das Römische Reich bestand in der Tatsache, dass der jĂŒdische und christliche Gott gegen die Sklaverei nichts einzuwenden hatte. Dies wird vor allem durch die ursprĂŒnglichen 10 Gebote deutlich: „Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat. An ihm darfst du keine Arbeit tun, du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich ausruhen wie du.“ Auch durch ein weiteres Gebot finden wir die Sklaverei in der jĂŒdisch/christlichen Tradition verankert: „du sollst nicht nach der Frau deines NĂ€chsten verlangen und du sollst nicht das Haus deines NĂ€chsten begehren, nicht sein Feld, seinen Sklaven oder seine Sklavin, sein Rind oder seinen Esel, nichts, was deinem NĂ€chsten gehört“.

Die Sanktionierung der Sklaverei, die fĂŒr das frĂŒhe Christentum selbstverstĂ€ndlich war, wurde durch die Haltung vieler wichtiger christlicher GlaubenstrĂ€ger bestĂ€tigt und bestĂ€rkt. So finden wir bei Moses 21,20-21 die folgende Regel: "Wer seinen Sklaven oder seine Sklavin schlĂ€gt mit einem Stock, dass sie unter seinen HĂ€nden sterben, der soll dafĂŒr bestraft werden. Bleiben sie aber einen oder zwei Tage am Leben, so soll er nicht dafĂŒr bestraft werden, denn es ist sein Geld". In Tim 6.1 finden wir folgende Aufforderung: „Alle die als Sklaven unter Joch sind, sollen ihren Herren aller Ehre wert halten". Auch Paulus schreibt im Philemonbrief (Philem V 13 ff), dass er einen Sklaven, den er zum Diakon weihte und der ihn um FĂŒrsprache bei seinem Herrn bat, wieder zu seinem Herrn zurĂŒckschickte, mit der ErklĂ€rung, dass aus der Bekehrung des Sklaven zum Christentum keine Forderung nach Freilassung erfolge. „Der Sklave sei seinem Herrn im Evangelium gleichgestellt, aber eben nur da“.

Weder im weströmischen Italien noch im oströmisch-griechischen Konstantinopel hörte die Sklaverei wĂ€hrend des gesamten Mittelalters auf, vielmehr ergab sich ein reger Sklavenhandel auf den großen italienischen HandelsplĂ€tzen, in SĂŒdrussland und auf der Krim. Vor allem die Bewohner des Kaukasus (Mingrelier, Georgier), wie auch TĂŒrken, Araber, Neger, Russen, Bosniaken, Serben, Bulgaren, Albanesen und Griechen wurden dabei in einer regelrechten Weise versklavt. (S.20)

Vorwiegend im KĂŒstenbereich Italiens, aber auch im Landesinneren wurden in nahezu allen italienischen Volksschichten, vom Kaufmann ĂŒber den Arzt bis hin zur Geistlichkeit, Sklaven gehalten. Der entsprechende Sklavenhandel in Italien wurde ĂŒberwiegend ĂŒber die SeestĂ€dte, Genua, Florenz und Venedig abgewickelt, so dass wir noch heute sorgfĂ€ltig ausgearbeitete Sklaven-KaufvertrĂ€ge des 13. bis 15. Jahrhunderts bestaunen können, die einen Anhaltspunkt ĂŒber die Art und den Umfang des Sklavenhandels in Italien bis in die Neuzeit geben. Unter diesen VertrĂ€gen finden wir auch den Kaufvertrag vom 26. Juni 1381 von Pietro Chozato, Priester an der Kirche des heiligen Gervasius in Venedig, der Pietro Pensaben, Priester an der Kirche des heiligen Rafael in Venedig die 28 jĂ€hrige Sklavin Marta fĂŒr 30 Dukaten verkaufte. Ein anderer Kaufvertrag von 1384 bestĂ€tigt den Verkauf einer 25 jĂ€hrigen Sklavin, der zwischen zwei Nonnen in Genua abgewickelt wurde. (S.43)

Die Entwicklung des europĂ€ischen Rechts (TeilauszĂŒge)

1Mit dem Untergang des Römischen Reiches ab 400 n. Chr. war auch das sorgfĂ€ltig und detailliert ausgearbeitete römische Recht verloren gegangen. DarĂŒber blieb die Rechtsprechung in Europa ĂŒber die folgenden Jahrhunderte vor allem eine Sache des GefĂŒhls. Unklare RechtsfĂ€lle wie etwa Beschuldigungen fĂŒr einen Ehebruch fĂŒhrten in den germanischen Stammesgebieten zu einer besonderen Gerichtsverhandlung, die ohne einen Richter im modernen Sinne stattfand und die allgemein dem Ziel diente, der Wahrheit ans Licht zu verhelfen.

Mit den KreuzzĂŒgen hatten die christlichen Kreuzfahrer nicht nur neue Ideen und zahlreiche SchĂ€tze, sondern auch bis dato unbekannte Nahrungsmittel, neues Wissen und Luxusartikel aus vielen LĂ€ndern nach Europa gebracht. Dadurch hatte auch die KomplexitĂ€t des Welthandels immer weiter zugenommen, so dass die Forderung nach einer klaren Rechtsordnung fĂŒr die Handelswirtschaft immer lauter wurde. Im Zuge einer Wiederentdeckung der alten Schriften wurde daher auch das römische Rechtswesen wieder aktiv aufgegriffen und fĂŒr die Regulierung der Wirtschaft eingesetzt.

Dem römischen Recht war jedoch durch die Einbindung der vielen römischen Sklaven in die alltĂ€glichen RechtsgeschĂ€fte eine Achillesverse entstanden. Obwohl den Römern das Naturrecht durchaus ein Begriff war, erfanden die Römer die neue Rechtsprechungs-Grundlage „positives Recht vor natĂŒrlichem Recht“, wodurch dem staatlich verfĂŒgten Recht grundsĂ€tzlich mehr Gewicht beigemessen wurde als den Naturrechten des Menschen.

Wir können daher das „positive“ Recht als eine â€žĂŒbernatĂŒrliche“ und willkĂŒrliche Rechtsetzung durch den Staat begreifen, die grundsĂ€tzlich mehr Gewicht hat als das Recht, das allen Lebewesen von Natur aus zusteht.

Die römische Rechtsprechungs-Grundlage wird auch heute noch angewandt, so dass die allgemeinen Menschenrechte gegenwĂ€rtig nur den Status von Lippenbekenntnissen erreichen, da sie sich nicht gegen die „positive“ staatliche Rechtsetzung behaupten können. Der Selbstorganisation des Menschen ist durch die Erfindung des „positiven Rechts“ daher eine brisante Achillesverse entstanden, die vor allem durch die Entgleisungen der Rechtsprechung in den diktatorischen Kulturentwicklungen der Geschichte deutlich geworden ist.

1. Quelle:Zeitalter der Menschheit, S85 ff

Der amerikanische Wirtschafts- und Finanzadel und das 20. Jahrhundert (TeilauszĂŒge)

Viele der ab dem 17. Jahrhundert nach Amerika auswandernden EuropĂ€er waren Protestanten, so dass die amerikanische Kulturentwicklung von der evangelischen und der calvinistischen Lehre stark geprĂ€gt worden ist. Eine darĂŒber in Amerika entstehende Mischung von protestantischen und kapitalistischen Impulsen hatte einen besonderen GeschĂ€ftsethos zur Folge, den wir in den schriftlichen Aufzeichnungen von Benjamin Franklin (1706 – 1790 n. Chr.) finden. In dem Buch“ Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ von Max Weber1 sind die folgenden Originalzitate von Benjamin Franklin wiedergegeben:

„ Bedenke, dass die Zeit Geld ist. Wer tĂ€glich zehn Schillinge durch seine Arbeit erwerben könnte und den halben Tag spazieren geht oder auf seinem Zimmer faulenzt, der darf, auch wenn er nur 6 Pence fĂŒr sein VergnĂŒgen ausgibt, nicht dies allein berechnen, er hat nebendem noch 5 Schillinge ausgegeben oder vielmehr weggeworfen“.[...] „Bedenke, daß Geld von einer zeugungskrĂ€ftigen und fruchtbaren Natur ist. Geld kann Geld erzeugen, und die SprĂ¶ĂŸlinge können noch mehr erzeugen und so fort. FĂŒnf Schillinge umgeschlagen sind sechs, wieder umgetrieben sieben Schillinge drei Pence und so fort, bis es hundert Pfund Sterling sind. Je mehr davon vorhanden ist, desto mehr erzeugt das Geld beim Umschlag, so daß der Nutzen schneller und schneller steigt. Wer ein Mutterschwein tötet, vernichtet dessen ganze Nachkommenschaft bis ins tausendste Glied. Wer ein FĂŒnfschillingstĂŒck umbringt, mordet (!) alles, was damit hĂ€tte produziert werden können: ganze Kolonnen von Pfunden Sterling“

1. Quelle: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, Max Weber, Anaconda Verlag, 2009, S.38.

Da Benjamin Franklins Vater ein strengglĂ€ubiger Calvinist war,1 lĂ€sst sich in den Überzeugungen von Benjamin Franklins die Mischung von ökonomischen Aspekten mit einer asketischen puritanischen Selbstdisziplin relativ leicht nachvollziehen. Einen Ă€hnlichen GeschĂ€ftsethos finden wir bei vielen frĂŒhen Potentaten in Amerika, die von einer Erziehung durch Kongregationalisten, Presbyterianern, Baptisten, Episkopalen, Methodisten oder Puritanern bzw. von Calvinisten der verschiedenen Couleur geprĂ€gt waren. Dazu gehörten z.B. John D. Rockefeller, J.P. Morgan, Jay Gould, Russel Sage, Daniel Drew, Mark Hopkins und James Smith Bush (GrĂŒnder der Bush-Familie).

Auch innerhalb der fortgeschrittenen kapitalistischen Geschichte Amerikas finden wir viele Persönlichkeiten mit einem calvinistischen Hintergrund: E.H. Harriman, Henry Ford, Andrew Carnegie, Thomas Mellon, John Foster Dulles und William Randolph Hearst (Zeitungsmagnat).

Viele der renommierten privaten UniversitĂ€ten in Amerika wurden von Calvinisten gefördert, finanziert oder gegrĂŒndet, wie die UniversitĂ€t von Chicago (baptistisch), die UniversitĂ€t von Princeton, die Harvard UniversitĂ€t und die Yale UniversitĂ€t. Schließlich waren auch die meisten amerikanischen PrĂ€sidenten Protestanten mit einem calvinistischen Hintergrund, so dass wir insgesamt von einer starken calvinistischen PrĂ€gung der nordamerikanischen Kulturgeschichte sprechen können.

Ein calvinistisches Erbe bedeutete in der Regel eine Neigung zu einem besonderen Lerneifer und zu einem intensiven Streben nach Erfolg. Da die calvinistische Lehre den GlĂ€ubigen auf eine besonders drastische Weise an die Gnade Gottes ausgeliefert hat und dem GlĂ€ubigen nur den sicheren Anhaltspunkt belassen hat, dass alle KulturautoritĂ€ten von Gott auserwĂ€hlt sind, finden wir in der Kulturgeschichte der „1. Welt“ viele Beispiele fĂŒr ein starkes Streben der Calvinisten nach einer besonderen lehrenden, politischen oder wirtschaftlichen Stellung innerhalb ihrer Gesellschaft. Dies wurde vor allem durch die Geschichte der Calvinisten in der Schweiz, in Preußen, in der Niederlande, in SĂŒdafrika und in England deutlich.

Erst durch die ĂŒberaus erfolgreiche amerikanische Wirtschaftsgeschichte wurden auch die Schattenseiten eines besonderen calvinistischen Leistungsstrebens erkennbar, da viele amerikanische Potentaten die Neigung entwickelt haben, in ihrem Metier ein Monopol bzw. eine diktatorische Macht mit allen lauteren und unlauteren Mitteln zu verfolgen. Dadurch handelten sich viele der frĂŒhen amerikanischen Potentaten den Ruf eines „robber baron“ (RĂ€uber-Baron) ein. Da die Entwicklung von wirtschaftlichen Monopolstellungen fĂŒr das amerikanische Volk im Lauf der Zeit zu einem immer grĂ¶ĂŸeren Problem wurde, wendete PrĂ€sident Theodor Roosevelt Anfang des 20. Jahrhunderts ein bereits 1890 erlassenes Antitrust Gesetz in mehreren Verfahren gegen die amerikanischen „robber barons“ an. Dabei erregten vor allem die 1904 erfolgende Auflösung des Eisenbahn Trusts zwischen James J. Hill , E.H. Harriman und J.P. Morgan und das 1906 eingeleitete Anti-Trust Verfahren gegen den Standard Oil Konzern von John D. Rockefeller grĂ¶ĂŸeres Aufsehen.

1. Quelle: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, Max Weber Anaconda Verlag, 2009 S.43

Kapitel 3

Die Entstehung einer industriellen Megamaschine im 19. Jahrhundert (TeilauszĂŒge)

Die wesentliche Motivation fĂŒr die absolute Fixierung der kapitalistischen Ökonomie auf die ProduktivitĂ€t und die EffektivitĂ€t, hat sich bereits in der Anfangszeit der FabrikgrĂŒndungen im 19. Jahrhundert entwickelt. Damals wurde die traditionelle Tauschhandels-Formel „Ware - Geld - Ware“ durch die neue „liberal-kapitalistische“ Tauschhandelsformel „Geld - Ware – Geld“ ersetzt. Mit der Verkehrung der traditionellen Tauschhandelsformel war nicht lĂ€nger das Wohl des Einzelnen und der Allgemeinheit Ziel des menschlichen Wirtschaftens, sondern das grenzenlose Streben nach Profit. Dadurch wurden nach und nach auch die Rohstoffe, die produzierten Waren und die Arbeitskraft des Menschen zu einem Mittel fĂŒr eine grenzenlose Gewinnsteigerung reduziert. Mit den destruktiven Folgen dieser „liberalen“ Profit- und Machtfixierung wird auch der heutige Mensch immer stĂ€rker konfrontiert.

Mit der Normalisierung der Fließbandproduktion ab dem frĂŒhen 20. Jahrhundert, wurden die Arbeitsaufgaben der Arbeiter auf immer weniger gleichbleibende TĂ€tigkeiten und Handgriffe reduziert, so dass der Fließbandarbeiter problemlos gegen einen anderen Arbeiter ausgetauscht werden konnte. Dadurch entstand fĂŒr den Fließbandarbeiter ein besonderer Leistungsdruck, der dazu fĂŒhrte, dass viele Arbeiter auch eine den Geist abstumpfende und den Körper einseitig belastende Fließbandarbeit in Kauf nahmen, um ihr Überleben zu sichern. Die religionsbedingte FĂ€higkeit zur masochistischen Selbstdisziplin war dabei fĂŒr den Arbeiter ein „Vorteil“, da sie ihm die Anpassung an einen widernatĂŒrlichen Arbeitstakt und an eine dauerhaft eingeschrĂ€nkte Bewegungsfreiheit ermöglichte.

Nachdem die Umstellung der Automobilproduktion auf das Fließband bei Ford ab 1913 zu einer explodierenden KĂŒndigungsrate der Arbeiter gefĂŒhrt hatte, fĂŒhrte Henry Ford unter der Bedingung einer moralisch einwandfreien LebensfĂŒhrung einen Tageslohn von 5 Dollar fĂŒr die von ihm anerkannten Arbeiter ein. Die Folge war, dass sich die betreffenden Arbeiter mit nur 3 Monatslöhnen ein eigenes Ford T-Automobil kaufen konnten.

Da Henry Ford nicht nur den Lohn drastisch erhöhte, sondern gleichzeitig auch die Arbeitszeit reduzierte, sank die KĂŒndigungsrate bei Ford schlagartig. Auch die Auseinandersetzungen mit den Arbeitern innerhalb der Fabrik reduzierten sich auf ein Minimum. Die Aussicht auf einen materiellen Reichtum und auf genĂŒgend Freizeit, um diesen Reichtum auch genießen zu können, ĂŒberwog den Unmut der Arbeiter ĂŒber die entfremdenden Arbeitsbedingungen am Fließband.

Diese Feststellung wurde fĂŒr den weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts bedeutsam, da sich die Erkenntnis durchzusetzen begann, dass eine sozialistische Arbeitsorganisation in Verbindung mit einer patriarchalen WirtschaftsfĂŒhrung eine ganz erhebliche Steigerung der Wirtschaftsgewinne versprach. So kam es in Amerika bereits innerhalb der großen Wirtschaftskrise ab 1933 zur Einrichtung einer ersten Sozialversicherung und zu einer gesetzlichen Reduzierung der Arbeitszeit, durch die der spĂ€tere Aufbau einer Fließbandproduktion fĂŒr die RĂŒstungswirtschaft des 2. Weltkriegs relativ reibungslos und erfolgreich vonstatten ging.

Nach dem 2.Weltkrieg kam es in den 50iger Jahren in Amerika und in Europa zu einem Aufschwung des „Fordismus“, der mit einer neuen Wirtschaftspolitik verbunden wurde, um die Vision einer materiellen Wohlfahrt fĂŒr alle zu verwirklichen. Dadurch war das Beispiel von Henry Ford zur Vorlage eines neuen Wirtschaftsmodells fĂŒr eine Massenproduktion von genormten Luxusprodukten geworden, die eine regelrechte Kreislaufwirtschaft in Gang setzte.

Die Folgen der neoliberalen Neuauflage des „liberalen“ Kapitalismus Ende des 20. Jahrhunderts (Teilauszug)

Um die neoliberale Wirtschaftsagenda besser begreifen zu können, ist es notwendig, sich mit ihrer inwendigen ideologischen und moralischen Beschaffenheit auseinander zu setzen. Die heutige neoliberale Wirtschaftsreligion unterscheidet sich inhaltlich und qualitativ ganz wesentlich von der Ideologie des Neoliberalismus, die nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 entstanden war. Damals machte man den liberalen, sich selbst regulierenden kapitalistischen Markt des 19. Jahrhunderts fĂŒr das Eintreten der Kulturkrise des 1.Weltkrieges und fĂŒr die Weltwirtschaftskrise von 1929 verantwortlich. Daher erachtete das aufkommende neoliberale Denken nach 1929 die Einbettung des Marktes in die Gesellschaft bzw. die stĂ€ndige gesellschaftliche Kontrolle des Marktgeschehens als unerlĂ€sslich.

Im Lauf der Zeit haben Ludwig Mises (1881-1973), Friedrich August Hayek (1899-1992) und Milton Friedmann (1912-2006) diese Zielsetzung wieder verwĂ€ssert, so dass ab 1975 die Wiedergeburt der liberal-kapitalistischen Ideologie durch einen sich selbst regulierenden neoliberalen Geld- und Finanzmarkt eingelĂ€utet wurde. Dadurch wurde der ideologische Gehalt der neoliberalen Agenda von 1930 zwangslĂ€ufig in sein Gegenteil verkehrt. Durch den „Washington Consensus von 1985“ wurde die neue neoliberale Ausrichtung festgeschrieben, so dass es ab 1985 zu einer Neuauflage des im 19. Jahrhundert praktizierten „liberalen“ Kapitalismus gekommen ist.

Karl Polanyi, ein ungarischer Wirtschaftswissenschaftler, hatte sich zum „liberalen“ Kapitalismus des 19. und frĂŒhen 20. Jahrhunderts bereits 1944 in seinem Buch „The Great Transformation“ eindeutig geĂ€ußert: [...]„Wir vertreten die These, dass die Idee eines sich selbst regulierenden Marktes eine krasse Utopie bedeutet. Eine solche Institution konnte ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume nicht bestehen, ohne die menschliche und natĂŒrliche Substanz der Gesellschaft zu vernichten“1.

Karl Polanyi bezog sich in dieser Kernaussage seines Buches auf den 1. und den 2. Weltkrieg. Seiner Ansicht nach war der „liberale“ Kapitalismus fĂŒr den Ausbruch des 1. und des 2. Weltkrieges wesentlich mitverantwortlich, da er eine bodenlose ökonomische Konkurrenz zwischen den industrialisierten Staaten verursacht hatte. Die Gefahr, die daher von der Neuauflage des Neoliberalismus durch den Washington Consensus von 1985 ausgeht, ist als erheblich einzuschĂ€tzen.

1. Zitat: The Great Transformation Politische und Ökonomische UrsprĂŒnge von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen, Suhrkamp Verlag, 1978, S.19  https://epub.wupperinst.org/frontdoor/deliver/index/docId/4900/file/4900_Sachs.pd f Seite 2 Autor: Wolfgang Sachs

Die Auswirkungen der menschlichen Religionsgeschichte auf die gegenwÀrtige Kultursituation

Bereits vor 5000 Jahren hat der Mensch in den mesopotamischen Stadtstaaten ein religiöses Weltbild von willkĂŒrlich handelnden Göttern erfunden, das dem „einfachen“ Menschen eine diffuse Angst vor den Göttern verursacht hat. Diese Angst wurde fĂŒr die Priester, als den offiziellen Statthaltern der Götter auf Erden, zu einer ĂŒbernatĂŒrlichen Quelle der Macht ĂŒber den „einfachen“ Menschen.

Um diese „erfolgreiche“ religiöse Machtkonstitution zu stĂ€rken, haben die herrschaftlichen Priester auch das Konzept eines Gehorsams gegenĂŒber den Göttern und der Priesterschaft initiiert. Mit der fortschrittlichen religiösen Entwicklung eines Monotheismus hat sich diese Gehorsamsschuld gegenĂŒber dem neuen alleinigen Gott durch 10 Gebote verabsolutiert, so dass im Weltbild des Menschen der Grundstein dafĂŒr gelegt wurde, was der Mensch noch heute unter der „AutoritĂ€t des Gesetzes“ versteht.

Mit der fortschrittlichen Konzentration der politischen Gewalt kam es in Mesopotamien zu einer bestĂ€ndig zunehmenden Vermögenskonzentration beim Gottkönig und bei der Priesterschaft. Durch die Erfindung des Geldes als einem universalen Tauschmittel, wurde das angehĂ€ufte Vermögen der Priesterschaft und des Gottkönigs handelbar, so dass in Mesopotamien erste sogenannte Tempelbanken entstanden, bei denen sich der BĂŒrger Geld leihen konnte. Die Geldschuld, die dadurch erstmals fĂŒr den einfachen Menschen entstand, war insofern widernatĂŒrlich, als es sich bei dem Leihgeld um das kulturelle Vermögen handelte, dass den einfachen Menschen vorab durch die Macht- und Vermögenskonzentration in Mesopotamien entzogen worden war. Wie brisant diese Geldschuld werden konnte, ist an der Tatsache zu ermessen, dass sich bereits die einfachen Menschen in den frĂŒhen Stadtstaaten Sumers bei einer Überschuldung solange in die Sklaverei verkauft haben, bis die Geldschuld getilgt war. Mit der GrĂŒndung der Tempelbanken ist daher ein unnatĂŒrlicher und asozialer kultureller Kreislauf der finanziellen Schuld entstanden, der zu einer festen Einrichtung innerhalb der Standeskultur geworden ist.

Wir können daher insgesamt feststellen, dass die geschichtliche Entwicklung der Standeskultur und die Entstehung eines kulturellen Herrenstandes von Priestern und Gottkönigen – spĂ€ter auch von reichen Kaufleuten - den „einfachen“ Menschen in eine regulĂ€re religiöse, politische und ökonomische UnterdrĂŒckung und Ausbeutung gefĂŒhrt hat. Dabei hat vor allem die Religion den einfachen Menschen in ein passives, ohnmĂ€chtiges und zweifelndes Wesen verwandelt, das stets ein Auge darauf hat, was der „liebe Gott“ oder seine Statthalter auf der Erde denken könnten.


Buchdaten

 

Das Buch umfasst 262 Seiten, hat die ISBN Nr. 978-3-75433-300-6 und ist in allen Buchhandlungen und Buch-Internetshops erhĂ€ltlich: 

 

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Nachwort

Das vorliegende Buch ist Teil einer Trilogie. Das Buch „Die Geschichte der kulturellen Fehlentwicklung - oder die Erfindung der Sklaverei und ihre Folgen“, thematisiert den fundamentalen Widerspruch zwischen den natĂŒrlichen Anlagen des Menschen fĂŒr eine freiheitliche und soziale Selbstorganisation und der Tatsache, dass der “Herrenmensch” den “einfachen” Menschen seit 5000 Jahren in einer regelrechten Weise entrechtet und ausbeutet. Das Buch erörtert die Entwicklung der Standeskultur von der frĂŒhen Antike bis in die Gegenwart und konzentriert sich ab dem frĂŒhen Mittelalter auf die deutsche Kulturgeschichte. Auf diese Weise erschließt sich dem Leser nach und nach ein VerstĂ€ndnis dafĂŒr, wie und warum es zu den kulturellen Schwierigkeiten gekommen ist, mit denen der heutige Mensch zu kĂ€mpfen hat.

Das Buch „Die Befreiung von der Standeskultur - durch den natĂŒrlichen dritten Weg“ erörtert den ideologischen und praktischen Weg, den der Mensch heute gehen kann, um seine kulturelle Fehlentwicklung zu korrigieren. Das Buch setzt sich eingehend mit den ideologischen, psychologischen und politischen HĂŒrden auseinander, die der Mensch dafĂŒr ĂŒberwinden muss.

Das Buch “German Angst - Ihre geschichtlichen Wurzeln und ihre ideologische Auflösung” beleuchtet eine der schwerwiegenden Folgen der kulturellen Fehlentwicklung: die Entstehung einer ĂŒbernatĂŒrlichen Angst im Menschen, die nicht nur die Seele, sondern auch den Verstand des Menschen lĂ€hmt. Sobald die Ursachen dieser Angst erkannt und in einer hinreichenden Weise verarbeitet worden sind, kann die ĂŒbernatĂŒrliche menschliche Angst durch ein entsprechendes Denken und Handeln gezielt reduziert bzw. aufgelöst werden.

Eine zusĂ€tzliche Abhandlung ĂŒber die gegenwĂ€rtige kulturelle Gemengelage, ĂŒber die Bedrohungen, die dem Menschen daraus entstehen und ĂŒber die Voraussetzungen fĂŒr die Abwendung dieser Bedrohungen, finden Sie auf der Internetseite: www.2035-der-Mensch-schafft-sich-ab.de